Yoga Philosophie - worum geht's beim Yoga?

Vielleicht hast du es schon mehrfach gelesen oder gehört: Yoga ist mehr als einfach nur Körperertüchtigung. Einige Yogalehrer/innen posten wunderschöne Yogaposen auf Facebook. Und wiederum andere finden, dass der Yoga auf die Körperübung reduziert wird.

 

Nun ja, mir erschliesst es sich auch nicht, warum ich nur in Unterwäsche und High-Heels bekleidet zuhause/im Studio Yoga praktizieren sollte und davon auch noch Fotos schiessen sollte. Der einzige Grund ist wohl Klicks zu generieren… Das finde ich persönlich mega schade. Da findet eine Sexualisierung von Yoga statt, die völlig unnötig und vor allem nicht real ist. Im Yoga geht es nicht um gutes Aussehen oder Sexy-Sein. Aber das ist meine persönliche Meinung. Das heisst auch nicht, dass man sich in Sack und Asche kleiden muss. Sondern es geht um ein gesundes Körpergefühl. Fühl dich wohl in deinem Körper, steh zu ihm. Und wenn es für dich im kurzen Top ist, gut. Wenn es für dich in weiten Kleidern ist, auch gut.

 

Ich für meinen Teil möchte nicht zu viel Haut zeigen, um keine sexualisierte Ablenkung zu generieren. Ob die Hose weit oder eng ist, ist mir dabei egal. Das entscheide ich jeweils spontan aus der Stimmung heraus. Mich wirst du jedoch nie in Unterwäsche auf Insta sehen. :)

 

Yoga Philosophie - was ist Yoga?

Yoga verstehen viele (nicht alle!) als den achtfachen Pfad, gemäss den traditionellen Schriften von Patanjali. Doch es gibt noch andere Yoga-Stile, die sich nicht auf ihn berufen. Heute möchte ich auf einen Teil des achtfachen Pfad (Teil der Yoga Philosophie) eingehen:

 

Die Yamas – und zwar auf Ahimsa und Satya.

 

Die Yamas und die Niyamas bilden quasi das Fundament des Yoga. Darin geht es weder um Posen, noch um Atemtechniken, noch um Meditation. Sondern sie stellen die „Richtlinien“ für das Zusammenleben mit dir und anderen Menschen dar.

 

ahimsa = Gewaltlosigkeit

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Ahimsa wird oft kurz als Gewaltlosigkeit übersetzt. Das bedeutet Nicht-töten, weswegen auch viele Yogis (männliche Yoga-Praktizierende) und Yoginis (weibliche Yoga-Praktizierende) sich vegetarisch oder gar vegan ernähren/leben. Denn ein Tier zu töten widerspricht diesem Prinzip.

 

Doch Ahimsa geht noch viel weiter und ist viel vielschichtiger als es auf den ersten Blick scheint.

 

Mit Ahimsa ist auch jegliches „Schadenzufügen“ gemeint. Und hier geht das Feld auf. Denn gemeint ist auch:

  • Lästern
  • Mobbing
  • Jemanden verbal angreifen
  • Sich selber Gewalt antun (ritzen, zu sehr fordern, eigene Grenzen überschreiten)
  • Der Umwelt Schaden zufügen
  • Andere Menschen physisch oder verbal verletzen
  • Jemanden was Böses wünschen (auch nur schon gedanklich)
  • Sich selber gedanklich „niedermachen“ oder kleinreden
  • Über jemanden schlecht reden
  • Jemanden sabotieren
  • Sich selber schaden
    • Zu viel trinken, essen, rauchen…
    • An ungesunden Handlungen festhalten obwohl sie dir physisch/mental/emotional nicht gut tun
  • Schlecht über jemanden denken
  • Sich überlegen fühlen gegenüber anderen (sie als „schlechter“ als du anschauen)

Ahimsa sagt nicht, dass wir – und hier ist der kulturelle Unterschied! – in die Hölle kommen, sobald wir das doch tun. Darum heisst es Philosophie – und nicht Religion.

 

Sondern der achtfache PFAD besagt, dass wir diesen Weg einfach gehen sollen. Immer wieder, stets auf diesem Pfad zu bleiben. Also ist es eine Einladung, uns stets zu reflektieren, wo wir dieses Prinzip von Ahimsa in seinen unterschiedlichen Facetten leben können. Und selbst wenn du nur am Wegrand gehen kannst und nicht alle Aspekte deines Lebens danach ausrichten kannst: Ein bisschen ist schon besser als gar nicht. Aber sei dir dessen einfach bewusst – und urteile nicht über andere.

 

Was Ahimsa ebenfalls nicht ist: Sämtliche negativen Gedanken unterdrücken/zur Seite schieben. Sämtliche negativen Gefühle unterdrücken. Es ist KEIN Negieren des „Negativen“ – das ist eine kindliche Ansicht. Sondern der Yoga lädt dich ein, alle positiven und negativen Seiten des Lebens anzuschauen. Und jeden Moment zu entscheiden, wie du handeln und denken möchtest.

 

Ausserdem lädt Ahimsa ein zum reflektieren: Wieviel Schaden lässt du zu? Wie sehr lässt du dich selber schaden, um anderen nicht zu schaden? Was tust du, wenn du Gewalt siehst? Drehst du dich einfach um? Oder intervenierst du - auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Ahimsa ist keine Entschuldigung, sich einfach wegzudrehen und wegzusehen. Du kannst nicht nicht handeln - wenn du schweigst, unterstützt du es.

 

satya = Wahrheit

Auch Satya beinhaltet mehr als das Wort auf den ersten Blick enthüllt. Es geht nicht darum, um jeden Preis die Wahrheit zu sagen – also „brutal ehrlich“ zu sein. Ich empfinde es als egoistisch, wenn man Satya als Vorwand nimmt, brutal ehrlich zu sein. Satya ist keine Erlaubnis, ein – entschuldigt die Wortwahl – ein Arschloch zu sein. Sondern wenn du die Wahrheit sagen musst, fordert dich die yogische Philosophie auf, diese Wahrheit auf nicht verletzende, nicht schadende Weise zu kommunizieren.

 

Satya bedeutet auch, dich selber stets klar zu sehen – oder kritisch zu hinterfragen. Nur weil du ein Yogai/eine Yogini zu sein glaubst, heisst das nicht, dass du heiliger als andere bist. Wenn du Themen hast, musst du an ihnen arbeiten – egal wie viele Mantras zu auswendig kennst. Wenn du deine Impulse nicht unter Kontrolle hast (und somit andere schädigst), dann bist du aufgefordert diese anzuschauen – egal wieviele Stunden du meditierend da sitzen kannst. Wenn du merkst, dass du über andere wertest und dich als „besser“ ansiehst, ist es eine Aufforderung an dich, dich genauer im Spiegel anzuschauen und zu erkennen, dass die „Schlechteren“ deine Lehrer sind. Du kannst ihr Verhalten nicht verstehen – aber erlaube dir kein Urteil. Und bitte: Wenn du in dir das Bedürfnis fühlst, andere in deiner Euphorie zu „überzeugen“: Lass es. :) Sie kommen dann zu dir, wenn sie bereit sind und du sie mit deinem Leben inspiriert hast. Und vielleicht kommen sie gar nicht. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. Du magst zwar etwas über ihr Leben kennen – aber du kennst nicht ihre persönliche Wahrheit, du steckst nicht in ihrer Haut und hast nicht erlebt, was sie erlebt haben. Gib dir die Freiheit, einfach loszulassen – ohne zu werten.

 

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Diese zwei Werte aus der Yoga Philosophie werden vielleicht in der Yoga-Lektion nicht explizit erwähnt (weil schlicht die Zeit fehlt, um die ganze Herleitung zu machen), aber sie ist oft spürbar:

  • „Geh nur so weit, wie es für dich stimmig ist“
  • (deine) Grenzen zu achten und zu berücksichtigen
  • Vergleiche dich nicht mit anderen, sondern richte deine Aufmerksamkeit auf dich – und sei achtsam und sorgsam mit dir selber.
  • Die Atmosphäre des Nicht-Wertens, des Nicht-Beurteilt-werdens

 

 

Literaturtipp: 7 Dinge, die westliche Menschen von der Yoga Philosophie lernen können