Die Realität ist eine subjektive Konstruktion

In den traditionellen Schriften wird oft darüber geschrieben, dass das was wir als real erachten, nicht real ist. Und das was wir für wahr halten, nicht wahr ist. Und das ist manchmal ein bisschen schwer zu verstehen.

 

Das Problem an den traditionellen Schriften ist: Sie beinhalten oft nur (noch) die Essenz einer Unterweisung. Und diese Unterweisung mag Stunden betragen haben. Und wir lesen heute davon nur noch 1 Satz. Natürlich ist er dann in seiner ganzen Tiefe nicht schnell fassbar. Darum empfielt es sich, darüber zu meditieren und mit anderen Menschen sich darüber auszutauschen, um im Anschluss wieder darüber zu reflektieren. Ein/e Lehrer/in kann dir eine Antwort geben, ob sie wahr ist, ist wieder eine andere Sache...

 

Wer sich hier getriggert fühlt (und sich oder seine/n Leherer/in angegriffen fühlt): Selbst Buddha soll gesagt haben "Wenn du einen Buddha siehst, töte ihn". Oder anders gesagt: "Glaube nicht den Lehrern, glaube nicht den alten Schriften, glaube nicht was andere dir gesagt haben. Nimm alles wahr und überprüfe es gründlich für dich."

 

Wenn also Buddha so etwas gemacht hat (und kritisch hinterfragen durfte), warum darf das dann niemand anders?

 

Nun aber zu Zahlen und Fakten und zurück zum Thema: Die Realität ist eine subjektive Konstruktion.

 

Zahlen und Fakten

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Von ca. 11 Millionen Informations-Einheiten, die unser Gehirn täglich verarbeitet, nehmen wir nur bis zu 40 Informationen bewusst wahr. Der Rest wird gefiltert.

 

Lass das mal setzen.

  • 11 Millionen Informations-Einheiten täglich
  • Nur 40 Informationen pro Tag nehmen wir bewusst wahr.
  • 10'999''60 Informationseinheiten werden rausgefiltert.

 

Der Mensch - das gewohnheitstier

Wir sehen zu 99 % nur das, was in unserem Gedächtnis bereits vorhanden ist. Nur maximal ca. 1 % an Informationen kommt neu hinzu.

 

Die meisten Wahrnehmungs- und Denkprozesse (über 80 %) laufen unbewusst ab. Die restlichen unter 20 % bilden unser Emotionsprogramm, das im Limbischen System, dem ältesten Teil unseres Gehirns, im Hintergrund abläuft. Hier werden Emotionen gebildet.

 

Die Stufen der Wahrnehmung

Der Wahrnehmungsprozess wird generell in drei Stufen unterteilt:

 

  1. Empfinden: Auf der ersten Stufe entsteht z. B. beim Sehen das Abbild eines Objektes auf der Netzhaut.
  2. Organisieren: Im zweiten Schritt muss das Gesehene organisiert, d. h. zu einer festen Form zusammengesetzt werden. Menschen, denen diese Fähigkeit fehlt, erleben die Welt als unzusammenhängend und gestückelt
  3. Einordnen: Auf der dritten Stufe wird den Sinneseindrücken eine Bedeutung zugeordnet, sie werden kategorisiert und eingeschätzt. So wird aus dem gesehenen Objekt ein „Mensch“ oder eine „Vase“. Erst dieser letzte Schritt macht eine entsprechende Reaktion auf das Wahrgenommene überhaupt möglich.

Beeinflussung der Wahrnehmung

Unsere Wahrnehmung wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Zusätzlich wird unsere Wahrnehmung durch unzählige Beobachtungs-, Wahrnehmungs- und Beurteilungsfehler sowie durch Wahrnehmungstrübungen und Sinnestäuschungen verfälscht.

 

Wer schwanger werden möchte, wird überall nur Schwangere sehen. Wer überzeugt ist, dass er verfolgt wird, wird überall Anzeichen davon sehen. Wer Angst vor Höhe hat, wird überall Absturzgefahren sehen. Wer nach einem VW Bus sucht, wird überall VW Busse sehen.

 

Wahrnehmung und Realitätsbildung

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Unsere Wahrnehmung bildet das, was wir als Realität bezeichnen.

 

Diese Realität manifestiert sich zu einer persönlichen Überzeugung und bildet unseren Glauben sowie die daraus resultierenden Erwartungen. Diese sind im Umkehrschluss wiederum Lenker unserer Wahrnehmung und stellen starke Wahrnehmungsfehler-Quellen dar.

 

Denn umgekehrt basiert unsere Wahrnehmung wieder auf dem, was wir glauben, von dem wir überzeugt sind und was wir sowieso bereits oder ganz konkret erwarten.

 

Folglich sind Überzeugung, Glaubenssätze und Erwartungen ebenso Filter.

 

Wahrnehmung und Orientierung

Wir können uns nicht daran orientieren, wie wir selbst wirklich sind und die Welt tatsächlich ist, sondern allein daran, wie wir uns und die Welt um uns herum wahrnehmen. Damit schaffen wir uns eine eigene, ganz persönliche, sehr subjektive Realität und manchmal auch eine Scheinrealität - und wir sind nur schwer oder gar nicht davon abzubringen.

 

Die Realität: konstruktion unserer gedanken

Fakt ist: Alles, was wir für die Realität halten, ist ein Konstrukt unserer eigenen Wahrnehmung und unserer Gedanken. Selbst Sachverhalte, die wir auf Basis allgemein geltender Konventionen übernommen und verinnerlicht haben, formen wir mit Hilfe unserer Vorstellungskraft in irgendeiner Art und Weise individuell um.

 

Wir haben eine gängige Sprache gelernt und benutzen Wörterbücher - dennoch wird eine Aussage, die jemand tätigt, von unterschiedlichen Personen anders verstanden und gewertet. Der eine hört eine Sachinformation, der andere eine Selbstoffenbarung. Ein anderer hört einen Appell heraus, bildet eine Beziehung zu sich selbst, hört oder liest eine Wertigkeit heraus. So wird aus einer Sachinformation schnell etwas Unsachlichem, aus einem Lob ein Tadel, aus einer einfachen neutralen Information eine Beleidigung, eine Demütigung, etc.

 

Fazit: Wir nehmen die Realität sehr selektiv wahr!

 

Was tun mit diesen Informationen?

Hier schliesst sich der Kreis. Wenn moderne Wissenschaft auf traditionelle Schriften trifft und du eine Synthese daraus erarbeiten kannst.

  • Die moderne Psychologie hat dir also untermauert, was die traditionellen Schriften gesagt haben: Das was wir für real halten, ist nicht real.
  • Die moderne Psychologie / mit der Arbeit von Coaches kannst du deine Themen, alten Glaubenssätze und hinderliche Verhaltensmuster auflösen. Du erkennst dich immer besser und lernst dich immer mehr zu akzeptieren. Dadurch gewinnst du auch mehr Empathie und Verständnis für andere Menschen, die dasselbe/ähnliches erleben wie du. In den traditionellen Schriften wird das erklärt mit "Wenn du das Göttliche in dir erkennst, erkennst du das Göttliche in allen". Dieser Satz ist keine Aufforderung, sondern eine Erklärung von kausalen Zusammenhängen.
  • Die moderne Psychologie / die Arbeit der Coaches zeigt dir auf, dass wir Menschen komplex sind - und wenn wir es schaffen, die Perspektive zu wechseln, erlangen wir grösseres Verständnis für ihn/sie. Und es entsteht in uns Mitgefühl. Auch hier: kausaler Zusammenhang, keine Aufforderung...

Ich persönlich bin begeistert von der Psychologie und absolut davon überzeugt, dass die Arbeit der Psychologen/Coaches/Therapeuten unglaublich unterstützend für den Yoga sein können. Nicht nur für die Yoga-Teilnehmenden, sondern auch - und da müssen wir ehrlich sein - auch für die Yogalehrer/innen selber. Die moderne Psychologie kann auch Yoga Teachers helfen,

  • sich besser zu akzeptieren
  • Handlungsmuster zu verändern
  • Glaubenssätze zu eliminieren
  • Traumata aufzuarbeiten
  • mehr Selbstliebe zu kultivieren
  • Träume zu verwirklichen
  • zu vergeben
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